USB-Sticks mit „2 Terabyte“ bei Amazon: Fälschungen entlarven, Datenverluste vermeiden

Amazon tut weiterhin zu wenig, um Käufer vor Nepp zu schützen: Derzeit kann man auf dem Amazon Marketplace für weniger als 40 Euro kompakte USB-Sticks mit angeblich 2 TByte Speicherkapazität kaufen.

Doch schon einfache Überlegungen machen klar, dass es sich bei solchen USB-Flash-Speichern mit hoher Wahrscheinlichkeit um Fälschungen handelt: Der bisher einzige echte 2-TByte-Stick Kingston DataTraveler Ultimate GT 2TB (DTUGT/2TB) kostet mehr als 1300 Euro, wiegt 60 Gramm und ist relativ groß. Letzteres ist nötig, weil sonst nicht ausreichend viele NAND-Flash-Chips für 2 Terabyte Kapazität hineinpassen würden. Und schon die billigsten SATA-SSDs mit 2 TByte kosten mindestens knapp 500 Euro, die bisher „größte“ MicroSD-Karte mit 400 GByte rund 200 Euro.

Es ist also nach derzeitigem Stand der Technik weiterhin unmöglich, 2 TByte Flash-Speicher in einen winzigen USB-Stick zu quetschen und gewinnbringend für 40 Euro zu verkaufen.

Die Windows-Software H2testw entlarvt solche Fälschungen, die Prüfung dauert aber lange: Wohl nicht ohne Hintergedanken sind viele der gefälschten USB-Sticks mit USB-2.0-Controllern bestückt und schreiben extrem langsam. Die Datentransferrate beim Schreiben liegt oft nur bei wenigen MByte/s, daher dauert das vollständige Beschreiben stundenlang.

Typisch ist auch das Dateisystem FAT32: Damit lässt sich durch manipulierte Firmware des USB-Flash-Controllers leicht eine höhere Kapazität vorgaukeln, als tatsächlich vorhanden ist. Seinerzeit waren durchweg nur 8 GByte Flash-Speicher eingebaut, also weniger als 1 Prozent der beworbenen Kapazität. Möglicherweise sind in jüngeren Fälschungen 16 GByte vorhanden; ein „echter“ USB-2.0-Stick mit 16 GByte kostet 5 bis 6 Euro.

Jedenfalls droht bei den gefälschten Sticks Datenverlust, sobald man mehr als die physisch vorhandene Kapazität schreibt: Der Controller überschreibt dann schlichtweg bereits geschriebene Blöcke. Es lassen sich daher scheinbar tatsächlich 2 TByte auf einen solchen Stick schreiben, aber nur ein Bruchteil davon auch wieder lesen. H2testw prüft daher, ob sich geschriebene Daten auch wieder lesen lassen.

Gefälschte USB-Sticks sind seit Jahren im Umlauf, das Problem ist altbekannt. Auch bei (Micro-)SD-Karten gibt es viele Fälschungen. Es ist deshalb ratsam, klar spezifizierte Produkte – etwa mit eindeutigem Datenblatt auf der Hersteller-Webseite – bei vertrauenswürdigen Händlern zu kaufen.

Unseriöse Anbieter verkaufen über Amazon immer wieder Fälschungen, im Juli waren es etwa Ryzen-Prozessoren, später Speichermodule.

2017-12-12T09:15:47+00:00