Russland zensiert 15 Millionen IPs für Telegram-Sperre

Um den Messenger Telegram zu blockieren, nimmt die russische Regierung offensichtlich den teilweisen Ausfall großer Clouddienste hin. Derzeit werden rund 15 Millionen IP-Adressen gesperrt – Tendenz stark steigend.

Die Blockade des in Russland beliebten Messengers Telegram hat offenbar erhebliche Breitenwirkung – denn um den Dienst zu blockieren, werden in dem autoritär regierten Land sehr viele IP-Adressen gleich mehrerer Clouddienste gesperrt. Nach aktuellen Statistiken sind derzeit rund 15 Millionen IP-Adressen betroffen, bei stark steigender Tendenz.

Aktuell werden laut Server.ru mindestens 800.000 zu Amazons Web-Services gehörende IP-Adressen geblockt und mindestens eine weitere Million Adressen von Googles Cloud-Diensten. Bei Google ist zum Beispiel das 35.192.0.0/12-Subnetz betroffen. Über Microsofts Dienst Azure liegen bislang keine Daten vor. Telegram-Gründer Pavel Durov hatte die Nutzer in Russland aufgefordert, sich mit einem VPN zu Telegram zu verbinden, um die App weiter nutzen zu können. In Russland wird nun offenbar erwogen, auch solche Dienste zu blockieren. Auch in China werden VPN immer stärker zensiert; Unternehmen dürfen mittlerweile nur noch solche Dienste nutzen, die von der Regierung anerkannt wurden.

Zuvor war in Russland bereits der Messenger Zello gesperrt worden. Weil dieser auf Amazons AWS-Dienste auswich, blockierte die russische Behörde für Telekommunikationsregulierung Roskomnadzor zwischenzeitlich bis zu 13,5 Millionen IP-Adressen von AWS. Zello war als „Walkie-Talkie-App“ bekannt und wurde zwischenzeitlich bei Protesten in Russland zur Kommunikation eingesetzt.

Die Sperre betrifft offenbar auch den Kreml selbst. Nach Angaben von Bloomberg mussten Mitarbeiter des Regierungsapparates auf den Chatdienst ICQ zurückgreifen, um mit russischen und internationalen Medien kommunizieren zu können. Telegram war von der russischen Regierung aufgefordert worden, Masterschlüssel herauszugeben, um verschlüsselte Nachrichten mitlesen zu können. Das Unternehmen hatte sich geweigert und war auch vor Gericht gescheitert, um die Sperrung abzuwehren.

2018-04-17T16:07:55+00:00