Efail: Was Sie jetzt beachten müssen, um sicher E-Mails zu verschicken

Mit PGP und S/MIME verschlüsselte E-Mails können unter bestimmten Umständen von Angreifern aus dem Netz mitgelesen werden. Was man tun muss, um weiterhin Mails sicher zu verschlüsseln, erklärt dieser Artikel.

Nachdem nun die Details zum Angriff auf die heute veröffentlichten Sicherheitslücken in PGP und S/MIME bekannt geworden sind, bleiben viele Anwender verunsichert und fragen sich, was sie tun müssen, um nach wie vor sicher verschlüsselte Mails versenden zu können. Wir wissen, dass Angreifer unter Umständen verschlüsselte Mails abfangen und manipulieren können, um an den entschlüsselten Inhalt der Mails – oder zumindest Teile davon – zu gelangen. Die als Efail bekannt gewordene Schwachstelle betrifft dabei die meisten gängigen Mail-Programme, die HTML-E-Mails empfangen und darstellen können wenigstens in Teilen. Um sich und seine Geheimnisse zu schützen, gibt es mehrere Möglichkeiten.

Ein guter Anfang ist damit gemacht, das Anzeigen externer Bilder in Mails zu unterbinden. Das ist sowieso zum Schutz der Privatsphäre, auch bei unverschlüsselten Mails, immer empfehlenswert. Wer damit Leben kann, Mails als Plaintext ohne HTML angezeigt zu bekommen, sollte das Anzeigen von HTML in Mails deaktivieren und ist damit nach aktuellem Kenntnisstand erst mal sicher.

Laut der Veröffentlichungen der Efail-Entdecker ist S/MIME weitaus angeschlagener als PGP. Eigentlich sind alle von ihnen getesteten Programme, die HTML und S/MIME unterstützen, betroffen. Beim Einsatz von PGP sind vor allem Thunderbird (mit Enigmail), Outlook 2007, Apple Mail und Airmail betroffen.

Anwender sollten jetzt vor allem ihre Mailprogramme und Verschlüsselungs-Plug-ins aktualisieren. Die Enigmail-Entwickler empfahlen auf Nachfrage, mindestens auf Version 2.0 des Plug-ins zu aktualisieren, in dem die Efail-Lücken bereits geschlossen wurden. Nutzer mit aktuellen Thunderbird- und GPG-Versionen sollten dieses Update über die automatische Update-Funktion des Plug-ins bereits erhalten haben. Thunderbird hat mit Version 52.7 fast alle der Sicherheitslücken geschlossen, Version 52.8 verspricht weitere Fixes.

Grundsätzlich lassen sich alle Risiken aber nur mit Veränderungen an den zugrundeliegenden Protokollen für PGP und S/MIME ausräumen. Die Protokolle müssen besser die Integrität der verschlüsselten Mails sicherstellen, damit Angreifer diese nicht auf dem Weg zum Empfänger manipulieren können. Bis solche grundlegenden Änderungen greifen, wird allerdings noch einige Zeit ins Land gehen.

Am sichersten ist es, verschlüsselte Mails nicht im Mail-Client zu entschlüsseln. Die Entdecker der Efail-Lücke empfehlen, den verschlüsselten Ciphertext aus der Mail zu exportieren und in einem eigenständigen Programm (etwa der Kommandozeilen-Ausgabe von GPG) zu entschlüsseln. Auf diesem Wege kann ein eventuell anfälliges Mailprogramm oder dessen Plug-Ins den geheimen Inhalt der Nachricht nicht an den Angreifer im Web verraten. Allerdings ist das ein sehr umständlicher und für die meisten Endbenutzer wohl unakzeptabler Ansatz.

Wer seine Mails trotzdem im Mailprogramm entschlüsseln will oder muss, der schaltet am besten den Empfang von HTML-Mails ab und lässt alle Nachrichten als Plaintext darstellen. Das stopft zwar nicht alle möglichen Schwachstellen, sollte momentan allerdings so gut wie alle praktischen Angriffe verhindern. Entsprechend sind auch Plaintext-Only-Clients wie Claws oder Mutt nicht betroffen.

Auch die meisten Web-Apps scheinen sicher zu sein. Eine Ausnahme bildet Gmail mit S/MIME und auch der Mailer Horde ist für GPG-Angriffe und, falls der Nutzer mithilft, für die S/MIME-Schwachstellen verwundbar. Roundcube scheint unter bestimmten Umständen für PGP-Lücken anfällig zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass die Anbieter die verbliebenen Lücken bald schließen. Admins von Webmail-Systemen sollten hier auf jeden Fall ein wachsames Auge auf Updates halten und diese zeitnah einspielen.

2018-05-14T21:32:55+00:00